MeinGemeindeZentrum

Die Open Source Plattform Mattermost bietet eine sichere Möglichkeit, digitale Jugendzentren und Gemeindezentren zu führen. Diese Plattform wurde partizipativ erstellt, programmiert und wird von einem ehrenamtlichen Adminteam geleitet. Aktuell befindet sich das Projekt in der Startphase. Nun können sich Personen aus dem Kirchenkreis Gladbach-Neuss anmelden und MeinGemeindeZentrum kennenlernen.

Katjas Bude vom 14.Mai.21

Josia Gibhardt @josia_gibhardt und Sebastian Morgenschweis @zweihundert12 vom Partizipationsprojekt der Ev. Jugend im Kirchenkreis Altenkirchen @eju.ak im Interview

https://www.instagram.com/tv/CO3RS5blQ94/?igshid=kl5z8v1wir5y

Jugend mischt mit: Was bedeutet Partizipation eigentlich?

Text: Andreas Attinger

Jugend mischt mit (3): Jugendlichen mehr Teilhabe in der Kirche zu ermöglichen – das ist das Ziel von vier Modellprojekten der Evangelischen Kirche im Rheinland. In unserer Serie „Jugend mischt mit“ stellen wir sie vor. Im dritten Teil blicken wir in den Kirchenkreis Jülich. Dort soll mit einer On-Off-Jugendkirche Partizipation komplett neu gedacht werden. Die Verantwortlichen sind sich einig, worauf es dabei ankommt. 

„Nach dem Beschluss der Jugendsynode zu den Modellprojekten war für uns schnell klar: Wir wollen helfen, Partizipation neu- und weiterzudenken“, erzählt Dirk Riechert, Leiter des Jugendreferats des Kirchenkreises . Dank der landeskirchlichen Förderung sowie einem Zuschuss des Kirchenkreises habe man die Sozialpädagogin Laura Offermanns in Vollzeit einstellen können. Ihre Aufgabe: Mit Jugendlichen eine On-Off-Jugendkirche nach deren Vorstellungen aufbauen.

Jugendliche werden regelmäßig befragt

Damit das gelingt, legt Offermans Wert darauf, sie immer wieder nach ihren Wünschen und Bedürfnissen, nach ihren Hobbys und Lebensräumen zu fragen. Ihre Erfahrung dabei: Es herrscht durchaus Skepsis, mal ganz anders als gewohnt zu denken. „Aber das ist klar. Wer immer nur Kartoffeln gegessen hat, weiß ja auch nicht, wie Nudeln schmecken.“ Und manche Jugendliche seien es nicht gewohnt, gefragt zu werden. „Hier gilt es, immer wieder zu bestärken und eine persönliche Beziehung aufzubauen.“

Die Interessen der Jugendlichen stehen im Mittelpunkt des Projekts.

Wunsch nach mehr Bezug zur Lebenswirklichkeit

Dennoch hat Offermanns schon einiges erfahren: Kirchenferne Jugendliche halten die Kirche für deutlich versteifter als kirchennahe. Einig sind sich alle, dass lange Predigten ganz und gar nicht jugendkonform sind. „Sie wünschen sich mehr direkten Bezug zur ihrer Lebenswirklichkeit.“ Zudem hätten Jugendliche wenig zu sagen. Der einheitliche Tenor: Es muss sich etwas ändern. „Sie tun sich aber noch schwer zu sagen, was genau.“

„Wir müssen da sein, wo Jugendliche sind“

Umgesetzt werden die Ideen und Projekte als Teil einer On-Off-Jugendkirche, in der sich laut Offermanns die digitale und analoge Welt ergänzen. „Entscheidend ist, dass wir da anzutreffen sind, wo Jugendliche sind. Und das ist heutzutage vor allem auch der digitale Raum.“ Als Beispiele nennt sie Soziale Medien wie Instagram  oder den Messenger WhatsApp. Gleichzeitig bleibe der analoge Raum wichtig.

Ein Ladenlokal in Erkelenz ist als Kreativort angemietet worden.

Neues Konzept für Konfirmandenunterricht

Die Ideen reichen von (digitalen) Jugendgottesdiensten, gemeindeübergreifenden Freizeiten und Events wie Kinoabenden sowie Kooperationen mit Schulen bis hin zu Online-Angeboten auf einem Discord-Server . „Denkbar sind außerdem hybride Veranstaltungen wie eine live gestreamte Kochshow, an der Jugendliche präsent teilnehmen“, sagt Riechert. Mit solchen Angeboten könnten kirchenferne Jugendliche angesprochen werden. „In Arbeit ist ein neues Konzept für den Konfirmationsunterricht“, berichtet Offermanns. Der wöchentliche Unterricht werde durch ein Konficamp sowie ein paar Samstagseinheiten ersetzt. „Neben dem inhaltlichen Input erfahren sie dort viel Gemeinschaft.“

Ladenlokal als „Keimzelle“

Dem Jugendpartizipationsprojekt liegt eine Art „Campus-Modell“ zugrunde. Bedeutet: Es wurde zwar ein kleines Ladenlokal in Erkelenz unweit einiger Schulen als „Keimzelle“ für Ideen angemietet. Angebote sollen aber an Orten stattfinden, an denen sich Jugendliche sammeln. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass der Kirchenkreis sehr weitläufig ist.

Die Jugendlichen werden bei allen Angeboten nach ihrer Meinung gefragt.

„Dann werden wir dem Grundthema nicht gerecht“

Nach den Angeboten wird direkt Feedback eingeholt. „Die Kritik greifen wir beim nächsten Mal auf“, sagt Offermanns. Damit solle den Jugendlichen verdeutlicht werden: Eure Meinung zählt. Für Riechert heißt Partizipation zudem, nicht zu viele Vorgaben zu machen. „Wenn wir jetzt eine Palette an Angeboten hätten, die wir den Jugendlichen vorlegen, würden wir dem Grundthema nicht gerecht werden.“ Denn Partizipation bedeute ja gerade, dass Jugendliche aktiv gestalten könnten.

Riecherts Grundsatzfrage

Das führt Riechert zu einer weiteren Grundsatzfrage: Suchen wir junge Leute für unsere Themen oder suchen wir Jugendliche mit ihren Themen? „Im Moment versuchen wir als Kirche noch zu oft, junge Menschen zu finden, die uns helfen, Kirche so zu erhalten, wie sie ist.“ Man brauche aber Menschen, die Kirche anders gestalteten. „Dabei müssen wir es aushalten, dass sie nicht nur in Nuancen, sondern ganz anders werden kann.“

Keine Konkurrenz zur Gemeindearbeit

Das Projekt sei auch keine Konkurrenz zur Gemeindearbeit. Vielmehr sollten Ressourcen gebündelt werden. Entscheidend sei es, den Gemeinden die Angst zu nehmen, Jugendliche dadurch verlieren zu können – und ihnen die Vorteile aufzuzeigen. Beispielsweise sammelten die Jugendlichen Erfahrungen, die sie wiederum in ihrer Gemeinde einbringen könnten. Und es bestehe die Chance auf Synergieeffekte, wie Riechert am Beispiel Jugendgottesdienste zeigt: „Alle treibt die Frage um, wie sie attraktiver werden können. Warum also kein Konzept entwickeln, das gemeindeübergreifend funktioniert?“

„Jugendliche müssen Überzeugungstäter werden“

Erste Fortschritte sind laut Offermanns bereits zu erkennen: „Trotz der Startschwierigkeiten durch Corona konnten wir schon Jugendliche und Mitarbeitende in fast allen Gemeinden erreichen.“ Geht es nach Riechert, soll sich die Projektarbeit nun schnell im Kirchenkreis ausbreiten – und immer wieder weitergesponnen und evaluiert werden. „Wir müssen die Jugendlichen zu Überzeugungstätern machen und die Zukunft der Kirche gemeinschaftlich denken. Dann kann Jugendarbeit ein Vorreiter für Veränderung sein.“

Neuer Wein in neuen Schläuchen

Präses Latzel besucht die Partizipationsprojekte

Am Montag, den 26.4.2021 hat der Präses der Ev. Kirche im Rheinland Thorsten Latzel die Partizipationsprojekte der EKiR in einer Videokonferenz getroffen. Die Vorsitzende der Steuerungsgruppe der Partizipationsprojekte, Fiona Paulus, begrüßte je zwei Vertreter:innen der Projekte sowie Daniel Drewes und Roland Mecklenburg vom Amt für Jugendarbeit.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde präsentieren die Projekte ihre Ansätze und beschreiben die schwierigen Herausforderungen vor die sie die Pandemie in den letzten Monaten gestellt hat. Nahezu alle haben sich gut anpassen können, wofür ihnen auch Präses Latzel seinen „höchsten Respekt“ versichert.

Während der Vorstellung lobt Latzel immer wieder die Kreativität der Projekte und ermutigt noch unkonventioneller zu Denken. „Ich möchte euch anfixen dass es zwar toll ist junge Menschen in unseren Gremien zu haben, aber auch weiter zu denken. Unsere Prozesse sollten noch grundlegender sein und erfragen, was die Themen der jungen Menschen sind und wie wir als Kirche hier helfen können.“

Der Austausch über die Erfahrungen, die die Projekte machen und wie sie weiterarbeiten, soll auch zukünftig immer wieder mit der Kirchenleitung stattfinden.

Fahrendes Jugendzentrum in Kleve – Ein Interview mit Jugendreferent in Kleve Marc Böttcher

Wenn das Jugendzentrum der Kirche zum Beispiel auf dem Land weit weg ist, dann überlegt man es sich doch zwei Mal, ob man sich jetzt dafür ins Auto setzt und eine halbe Stunde fährt. Im Kirchenkreis Kleve muss man das jetzt vielleicht gar nicht mehr, denn das Jugendzentrum kommt zu einem …

https://www.domradio.de/audio/fahrendes-jugendzentrum-kleve-ein-interview-mit-jugendreferent-kleve-marc-boettcher

Text Andreas Attinger, Bild: Jugendreferat Altenkirchen

Jugend mischt mit (2): Jugendlichen mehr Teilhabe in der Kirche zu ermöglichen – das ist das Ziel von vier Modellprojekten der Evangelischen Kirche im Rheinland. In unserer Serie „Jugend mischt mit“ stellen wir sie vor. Im zweiten Teil erklären die Beteiligten aus dem Kirchenkreis Altenkirchen, wie sie es schaffen möchten, Jugendliche stärker in Entscheidungen und Angebote der Kirchengemeinden einzubinden.

Die Vision des Partizipationsprojekts im Kirchenkreis Altenkirchen  ist klar: Mehr Jugendliche für die Kirche begeistern und ihnen eine Stimme geben. Dabei geht das Projekt mit bestem Beispiel voran. Denn federführend verantwortlich ist ein derzeit aus zehn Jugendlichen bestehendes Leitungsteam. Das Team entwickelt geeignete Formen der Partizipation und des Austauschs, die den Erfordernissen des ländlichen Raums und der eingeschränkten Mobilität gerecht werden. Unterstützt wird es von den hauptamtlich Mitarbeitenden des örtlichen Evangelischen Jugendreferats , Carola Paas und Michael Utsch. „Das Projekt soll gelebte Partizipation widerspiegeln“, betont Utsch. Passend dazu macht das Team deutlich: Wir möchten aus unserer Blase heraustreten. Wir möchten zeigen, dass Kirche mehr ist als der sonntägliche Gottesdienst.

„So wie Kirche jetzt ist, gewinnst du schwer Jugendliche dazu“

Mittendrin ist Josia. Für den 15-Jährigen ist klar: „So wie Kirche jetzt ist, mit den gewohnten Formaten, gewinnst du schwer Jugendliche dazu.“ Deshalb möchte er seinen Teil dazu beitragen, Kirche attraktiver zu gestalten. Als simples Beispiel nennt er modernere Lieder im Gottesdienst. Die Chance, etwas zu verändern, hat auch Svenja ergriffen. „Ich glaube, die Kirche macht sich das Leben manchmal selbst etwas schwer, indem sie nicht genügend auf die Jugend eingeht, ihr nicht die passenden Angebote macht“, sagt die 24-Jährige.

Kommunikation zwischen Generationen ist das A und O

Damit sich etwas ändern kann, ist für Presbyterin Svenja eine bessere Kommunikation zwischen den Generationen das A und O. „Ältere Menschen denken manchmal, dass Jugendliche noch zu unerfahren sind. Wir wiederum meckern, dass sie nur die Meinung vertreten: ,Das war schon immer so‘“. Deshalb sei es wichtig, miteinander zu reden. Nur so könnten alle voneinander lernen und profitieren. Josia pflichtet ihr bei. „Im Moment entscheiden häufig die Erwachsenen, was für uns Jugendliche gut ist.“ Gehört und gesehen werden wollen die Jugendlichen aber auch außerhalb der Blase. „Viele meiner Freunde, denen ich etwas von Kirche erzähle, denken nur an Gottesdienste. Es ist wichtig, ihnen zu zeigen, dass es viel mehr gibt“, hebt Simon, Mitglied des Leitungsteams, hervor. Der 19-Jährige sieht viel Potenzial darin, Menschen diese Möglichkeiten nahe zu bringen und ist sich sicher: „Der ein oder andere wird positiv überrascht sein.“

Während eines Workshops haben sich die Jugendlichen mit ihren Erfahrungen im Bereich Jugendbeteiligung auseinandergesetzt.

Das Projekt soll vor allem Begegnung schaffen

Corona hinterlässt aber natürlich auch bei diesem Projekt seine Spuren. So beschäftigt das Team derzeit die Frage, ob überwiegend zweigleisig, coronakonform oder für eine Zeit nach Corona geplant werden sollte. Einige Grundsteine wurden dennoch bereits gelegt. Bei einem Workshop beschäftigten sich die Jugendlichen mit Fragen wie: Wie sieht Kirche in Zukunft aus? Und: Wie kann man sich folgenreich in die kirchliche Arbeit einbringen? Bei einem zweiten, digitalen Workshoptag, tauschten sie sich mit Engagierten aus anderen Bereichen wie Fridays for Future, der Jugendpartei PETO sowie der Evangelischen Jugend im Rheinland  aus. Neben dem wichtigen Input von anderen Engagierten ist dabei deutlich geworden, dass das Projekt vor allem Begegnung schaffen soll – in allen möglichen Formen. Sobald es möglich ist, soll deshalb eine große Kick-Off-Veranstaltung stattfinden. Bis dahin liegt der Fokus weiter auf digitalen Formaten.

Logo mit Herzschlag als Zeichen der Liebe

Treffen finden online per Videokonferenz statt. Darüber hinaus geht Anfang April eine eigene Projekt-Homepage online. Dort und über einen Instagram-Kanal soll von der Projektarbeit berichtet werden. Das Ziel: der evangelischen Jugend im Kirchenkreis ein ganz neues Gesicht geben. Ein Ausdruck davon ist das Projektlogo. „Uns war wichtig, dass es zeigt, worum es geht“, erklärt die 19-jährige Larissa. Zu sehen ist deshalb eine Kirche, der Schriftzug „Feel the church“ – und ein Herzschlag. „Wir verbinden Glaube immer auch mit Liebe, deshalb fanden wir den Herzschlag passend.“

Online-Umfrage unter Jugendlichen geplant

Bewegt hat sich auf jeden Fall schon etwas. „Vor dem Projekt hatte ich das Gefühl, dass wir immer über die selben Themen reden. Jetzt reden wir über all das, was uns auch im Alltag beschäftigt“, sagt Simon. Dabei seien viele Überschneidungen sichtbar geworden. Um diese Bedürfnisse und Themen noch stärker ins Projekt einbinden zu können, ist für April eine Online-Umfrage geplant. Ziel ist es, am Ende auf Antworten von 200 bis 300 Jugendlichen zu ihren Hobbys, Interessen und Wünschen hinsichtlich der Kirche zurückgreifen zu können. „Wir wollen alle auf unserem Weg mitnehmen“, sagt Svenja. Eine enge Zusammenarbeit mit allen 15 Kirchengemeinden sei dabei selbstverständlich. „Das Tolle ist, dass uns beim Thema Partizipation kaum Grenzen gesetzt sind“, sieht sie viel Raum für Kreativität. Welche Ideen das Team letztlich umsetzt, darüber können sich Interessierte seit Kurzem auch auf www.jugendstyle-ekir.de informieren, der gemeinsamen Homepage der vier Modellprojekte.

Podcastproduktion, Workshops und Events im „fahrenden Jugendzentrum“

Text: Andreas Attinger, Bilder: Kirchenkreis Kleve

Kirchenkreis Kleve will mit Wohnmobil Jugendpartizipation fördern

Kleve. Mit vier Modellprojekten erprobt die Evangelische Kirche im Rheinland derzeit, wie Partizipation von Jugendlichen in der Kirche gelingen kann. Manfred Rekowski, Präses der rheinischen Kirche, informierte sich bei einem virtuellen Besuch über das Vorhaben im Kirchenkreis Kleve. Dort soll ein „fahrendes Jugendzentrum“ samt professioneller Technik ganze neue Möglichkeiten schaffen.

Der Kirchenkreis Kleve  hat es sich zum Ziel gesetzt, mit einem mobilen Begegnungsraum jungen Menschen neue Formen der Teilhabe an Kirche zu ermöglichen. Dazu wurde im Zuge eines von der rheinischen Kirche geförderten Partizipationsprojekts ein Wohnmobil angeschafft. Künftig soll es von den Jugendlichen für Events, Gottesdienste, Workshops oder Ausflüge genutzt werden können, wie das Projektteam bei einem virtuellen Treffen mit Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, berichtete. Außerdem wird das „fahrende Jugendzentrum“ demnach mit der notwendigen Technik ausgestattet, um Podcasts und Videoblogs produzieren zu können. Damit soll das auffällig gestaltete Wohnmobil zu einer Art mobilen Öffentlichkeitsarbeit für den Kirchenkreis werden.

Präses Rekowski sieht Projekt als Chance für Kirche

Präses Rekowski sieht in dem Projekt viel Potenzial: „Das mobile Element sowie die professionelle Technik bieten die Möglichkeit, vorhandene Ideen nun auch dort umzusetzen zu können, wo es ein solches Equipment bisher nicht gibt.“ Das sei sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal des Projekts. „Und mit dem Fahrzeug können Orte auch außerhalb der Kirche aufgesucht und bereichert werden“, sieht der Präses Chancen, über Kirchengrenzen hinaus zu wirken. Er denke dabei etwa an Besuche auf Schulfesten oder Weihnachtsmärkten. „Das Projekt ist ein Anstoß, als Kirche Neues zu wagen. Da müssen wir uns auch etwas zutrauen.“

Jugendlichen werden keine Grenzen gesetzt

Damit trifft er auch die Intention der Projektverantwortlichen. Denn das Jugendmobil soll im ganzen Kirchenkreis genutzt werden können. Die Koordination übernimmt das Projektteam, Pflege und Instandhaltung die Jugendlichen. Wofür diese das Fahrzeug einsetzen, sei ihnen überlassen. Enge Vorgaben würden bewusst keine gemacht. „Das Wohnmobil soll außerdem eine stärkere Verbindung zwischen den Gemeinden in unserem weitläufigen, auch sehr ländlichen Kirchenkreis schaffen“, erklärt Lena Tenelsen, Jugendleiterin der Evangelischen Kirchengemeinde Sonsbeck . Sie ist von Beginn an Teil des Projektteams.

Graffiti-Künstler hilft bei Gestaltung des Wohnmobils

Im vergangenen Sommer wurde das Wohnmobil corona-konform von Jugendlichen in Kleingruppen mit einem Graffitkünstler abgeschliffen, abgeklebt und innen wie außen gestrichen. Außen prangern die Schriftzüge „Jesus“ und „Youthwork“. Zu sehen sind auf dem blau und rosa gestalteten Mobil zudem ein Pfarrer und eine Pfarrerin. „Den Jugendlichen war es wichtig, dass Kirche erkennbar ist und nicht der Eindruck entsteht, es handelt sich um ein städtisches Angebot“, berichtet Yvonne Petri, Jugendreferentin des Kirchenkreises Kleve .

Rheinische Kirche erprobt vier Modellprojekte zur Jugendpartizipation

Das Projekt ist eines von vier Modellen, die derzeit auf dem Gebiet der rheinischen Kirche erarbeitet und erprobt werden. Ziel der Projekte ist es, verschiedene Formen der aktiven Teilhabe von jungen Menschen sowohl in der Gemeinde- als auch Gremienarbeit zu entwickeln. Die Ideen und Projekte sollen zudem als Impuls für Jugendpartizipation über die Grenzen der rheinischen Kirche hinaus dienen.

Unterschiedliche Herangehensweise in Kirchenkreisen

Die Herangehensweise in den vier Kirchenkreisen ist sehr unterschiedlich. Der Kirchenkreis Altenkirchen plant etwa einen Leitungskreis bestehend aus Jugendlichen, der eigenverantwortlich den Partizipationsprozess plant, umsetzt und evaluiert. In Gladbach-Neuss sollen an unterschiedlichen Orten des Kirchenkreises parallel sowohl persönliche als auch digitale Formen der Kommunikation, Meinungs- und Entscheidungsfindung entwickelt werden. Dabei werden vor allem die Bedürfnisse der Jugendlichen sowie die für sie relevanten Themen berücksichtigt. Und der Kirchenkreis Jülich möchte eine On-Off-Jugendkirche aufbauen. Dafür wurde bereits ein Ladenlokal als Begegnungsraum angemietet.

Jugend mischt mit: Wie gelingt Partizipation in der Kirche?

Text. Andreas Attinger, Bilder: Jugendreferat Gladbach Neuss

Jugend mischt mit (1): Jugendlichen mehr Teilhabe in der Kirche zu ermöglichen – das ist das Ziel von vier Modellprojekten der Evangelischen Kirche im Rheinland. In unserer Serie „Jugend mischt mit“ stellen wir sie vor. Zum Start berichten die Beteiligten aus dem Kirchenkreis Gladbach-Neuss von ihren Ideen und Zielen rund um Gremienarbeit und Online-Jugendzentrum.

„Unsere Devise lautet: ,Erst Themen, dann Gremien‘“, berichtet Detlef Bonsack, Jugendreferent im Jugendreferat des Evangelischen Kirchenkreises Gladbach-Neuss . Damit definiert er die Marschroute des Partizipationsprojekts . Es gehe um die grundsätzliche Frage, wie Jugendliche in der Kirche beteiligt werden könnten. Ziel sei es, neue analoge und digitale Formen der Kommunikation, Meinungs- und Entscheidungsfindung zu entwickeln „Und da muss auch erörtert werden, ob Gremien überhaupt das Richtige sind“, sagt der 58-Jährige. Herausfinden möchte er das zusammen mit Jugendreferentin Nadine Weuthen sowie den studentischen Hilfskräften Marie Christin Unger und Sarah Röhricht. Drei weitere Modellprojekte gibt es in den Kirchenkreisen Kleve, Altenkirchen und Jülich.

Jugendpartizipation kein leichtes Unterfangen

Um auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen zu können, hat das Team zu Beginn des Projekts eine Umfrage durchgeführt. „Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die Themen Klimaschutz und Rassismus für sie wichtig sind“, berichtet Unger. Zudem seien Wissenslücken bezüglich Gremien wie dem Presbyterium deutlich geworden. „Da müssen wir Informationsräume schaffen. Denn Jugendliche können sich nur beteiligen, wenn sie wissen, was existiert und wie es funktioniert.“

Wissensvermittlung via Social Media

Helfen sollen dabei etwa Infos, die über Social Media  verbreitet werden. Ein Beispiel: Im Dezember 2020 haben sich hinter den 24-Türchen der „AdventTur“  Erklärungen zu kirchlichen Begriffen wie Kreissynodalvorstand  oder Superintendent  versteckt. Informiert wird zudem seit Anfang Februar über einen Newsletter, der online abrufbar ist . Auch an weiteren Ideen mangelt es nicht. Eine Möglichkeit sei ein sogenannter „Jugendcheck“. „Mit diesem Formular können beispielsweise Beschlüsse im Presbyterium auf ihre Jugendtauglichkeit überprüft werden“, erläutert Röhricht. Geplant sind zudem lokale Treffen und Veranstaltungen, um über das Projekt aufzuklären und dem Team ein Gesicht zu geben.

Austausch der Schlüssel zum Erfolg

Denn für die Verantwortlichen ist klar: Soll das Projekt Früchte tragen, ist ein Austausch zwischen allen Beteiligten sowie den Jugendlichen an den 56 Standorten der Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis das A und 0. In Arbeitsgruppen sollen mit Jugendlichen Ideen erarbeitet werden. „Nur gemeinsam können wir nachhaltige Partizipationsformen entwickeln und das vorhandene Potential ausschöpfen“, sagt Jugendreferentin Weuthen. Für Unger bietet die aktuelle Situation dafür eine große Chance. „Viele Gruppen treffen sich digital. Dadurch können wir uns vielerorts vorstellen und vernetzen.“

Corona-Pandemie bremst Modellprojekte aus

Der Startschuss für die Modellprojekte fiel Anfang 2020. „Doch dann bremste Corona uns alle ordentlich aus“, berichtet Weuthen. Geplante Netzwerktreffen, Arbeitsgruppen und Infoveranstaltungen mussten ausfallen. „Dadurch wurde das Projekt noch mal viel digitaler, wir konnten etwa unsere Social Media-Reichweite deutlich erhöhen“, sieht die 31-Jährige aber durchaus auch etwas Positives in der Krise. Das helfe dem Projekt.

Online-Jugendzentrum steht in den Startlöchern

Und so verwundert es nicht, dass nun ein digitales Angebot in den Startlöchern steht: ein Online-Jugendzentrum auf dem Instant-Messaging-Dienst Mattermost. Der Code der Open-Source-Software ist öffentlich zugänglich und beliebig veränderbar. „Damit ist theoretisch alles möglich“, erklärt Unger. Gesellschaftsspiele könnten integriert werden. In virtuellen Räumen seien Audio- und Videochats möglich – auch mit der ekir-Videochat-Anwendung. Ein weiterer Vorteil: die Software sei datenschutzrechtlich unbedenklich, kostengünstig und könne unkompliziert von anderen Kirchenkreisen genutzt werden. „Die sechs Jugendlichen, die den digitalen Raum gestalten, sind jedenfalls begeistert“, weiß die 30-Jährige.

Mattermost kann Hemmschwellen abbauen

„Die Plattform soll die Jugendarbeit vor Ort ergänzen und zu einer Art 24/7-Jugendzentrum werden“, ergänzt Röhricht. Es sei wichtig, dass Kirche im digitalen Raum stattfinde. „Denn dort verbringen Jugendliche viel Zeit“, betont die 21-Jährige. Zudem könne das Angebot Hemmschwellen abbauen. „Wenn ich niemanden kenne, brauche ich mehr Mut, um zu einem Jugendtreff zu gehen.“ Sich online zu beliebigen Zeiten einzuloggen sei da deutlich einfacher. Spätestens im März soll das auf dem Mattermost-Server des Jugendreferats möglich sein.

„Interesse in den Gemeinden ist sehr groß“

Das Team ist sich sicher, dass schon bald weitere Ideen entwickelt und umgesetzt werden. Denn das Interesse in den Gemeinden sei groß und steige stetig. Der Grund dafür ist für Bonsack klar: „Das Thema Partizipation spricht sich immer mehr herum.“ Dadurch entstünden viele gute Ideen. „Das ist wie ein Pflänzchen, das langsam beginnt zu wachsen.“